Unterwasserlandschaft
Bahnhofsunterführung erhält ein neues Gesicht
Wo bislang graue Betonwände und Schmierereien das Bild bestimmten, entsteht ein außergewöhnliches Gemeinschaftskunstwerk.
Die Bahnhofsunterführung in Erkelenz wird im Rahmen eines groß angelegten Graffiti-Projekts zu einer farbenfrohen Unterwasserlandschaft und zeigt eindrucksvoll, wie Kunst den öffentlichen Raum verändern kann.
Rund 20 Graffiti-Künstlerinnen und -Künstler gestalten auf einer Fläche von etwa 375 Quadratmetern ein Wandbild mit Korallen, Fischen, Meerespflanzen und weiteren Motiven aus der faszinierenden Welt unter Wasser.
Jeder der Beteiligten bringt dabei seinen eigenen Stil und seine kreativen Ideen ein. Dennoch entsteht aus den einzelnen Arbeiten ein harmonisches Gesamtwerk, das die gesamte Unterführung in eine neue Atmosphäre taucht.
Das Projekt verfolgt dabei weit mehr als einen rein gestalterischen Ansatz.
Ziel ist es, die Bahnhofsunterführung dauerhaft aufzuwerten und sie für Pendlerinnen und Pendler, Anwohner sowie Besucher der Stadt freundlicher und einladender zu gestalten.
Gerade öffentliche Räume, die täglich von vielen Menschen genutzt werden, prägen den ersten Eindruck einer Stadt.
Mit der künstlerischen Neugestaltung erhält dieser Ort nun eine völlig neue Identität.
Graffiti wird bis heute häufig mit illegalen Schmierereien und Vandalismus in Verbindung gebracht.
Diese Wahrnehmung hat historische Gründe, denn die Anfänge der Graffiti-Bewegung waren vielfach durch unerlaubte Schriftzüge auf Zügen und Gebäuden geprägt.
Das Erkelenzer Projekt zeigt jedoch eine andere Seite der urbanen Kunst. Hier entsteht Street Art legal, geplant und in enger Zusammenarbeit mit der Stadt.
Im Mittelpunkt stehen Kreativität, handwerkliches Können und die gemeinsame Gestaltung eines öffentlichen Raums.
Trotz unterschiedlicher Handschriften und Arbeitsweisen entsteht Schritt für Schritt ein gemeinsames Kunstwerk, das durch seine Farbenvielfalt und die zahlreichen Details zum Entdecken einlädt.
Schon während der Arbeiten bleiben viele Passantinnen und Passanten stehen, beobachten den Entstehungsprozess und kommen mit den Künstlern ins Gespräch.
Die unmittelbaren Reaktionen zeigen, dass Kunst im öffentlichen Raum Menschen verbindet und neue Perspektiven auf vermeintlich alltägliche Orte eröffnet.
Mit der Fertigstellung der Unterwasserlandschaft erhält die Bahnhofsunterführung nicht nur ein neues Erscheinungsbild, sondern wird zu einem sichtbaren Beispiel dafür, wie kreative Projekte das Stadtbild nachhaltig bereichern können.
Das Graffiti-Projekt steht für einen modernen Umgang mit Street Art und verdeutlicht, dass Kunst weit über Museen und Galerien hinaus wirken kann.
Mitten im Alltag und für alle Menschen zugänglich.

Sebastian Kaiser
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Graffiti und der Anspruch an Street Art

Marcel Brouwer
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